Auf so viel Interesse stößt Fortbildung nicht alle Tage: Rund 150 Piloten und Pilotinnen waren am 23. März zum ?Salzburger Fortbildungsforum für Gleitschirmflieger" gepilgert, um einen Abend lang ? geführt von Steve Cox (Weltmeister 2005), Karl Slezak (DHV-Sicherheitsbeauftragter) und Thomas Ripplinger (Advance-Chefentwickler) ? der Frage nachzuspüren: ?Mehr Sicherheit beim Gleitschirmfliegen: Braucht's bessere Schirme oder bessere Piloten?"
In welchem Spannungsfeld die Antworten lagen, wurde bereits beim ersten Referat klar, eröffnete doch Karl Slezak den Abend gleich einmal mit einer Radikalforderung: ?Die Schirme haben den Bedürfnissen der Piloten zu genügen und nicht umgekehrt", sagte Karl, und setzte gleich noch eines drauf: Die Schirme müssten besser werden, und zwar am besten so sicher, dass sie nach einem Klapper geradeaus fliegen, und damit auch ein Pilot, der nur fünf Flüge im Jahr absolviert, diesen Sport gefahrlos ausüben kann. Karls Begründung: 30 Prozent der Piloten seien Wenigflieger und wären mit kritischen Klappern ? vor denen kein Pilot unter keinem Schirm gefeit sei ? schlichtweg überfordert. Seiner Ansicht nach ist das maximal Mögliche an Sicherheit in der Gleitschirmkonstruktion ohnehin noch lange nicht erreicht.
Das war dann auch schon das Stichwort für Referent Nummer 2, der als Entwicklungsleiter einen kleinen Blick hinter die Kulissen der Gleitschirmkonstruktion gab. Ausgefeilte Simulationssoftware macht beispielsweise sogar den Spiralflug samt Reaktion des Gerätes am Computer darstellbar und damit erste Aussagen über die Klappstabilität möglich. Nebst den Stichworten ?Sicherheit" und ?Stabilität" gibt es eine Vielzahl anderer Kriterien zu beachten, wie etwa das Feed-back, welches das Gerät dem Piloten vermittelt. Thomas legte anschaulich dar, mit welch komplexem System es Konstrukteure von Gleitschirmen zu tun haben, und brach dabei auch eine kleine Lanze für den Klapper: Der sei im Grunde gar nicht so negativ. Durch den Klapper werde die Energie abgebaut, also die im Schirm steckende Dynamik entschärft!
Nachdem wir den absolut sicheren Schirm, bei dem garantiert nix passiert, so schnell nicht kaufen werden können, galt es an diesem Abend natürlich noch eine andere wichtige Frage abzuhandeln: Wie können wir Piloten unsere fliegerische Kompetenz steigern? Viele denken hier in erster Linie an das Thema ?Schirmbeherrschung", doch Weltmeister Steve Cox machte schnell klar, dass das nur ein kleiner Teil im Spektrum ?Sicherheit" ist. ?Sicher zu fliegen", das bedeutet für ihn, sich intensivst mit der Ausrüstung, mit den Flugbedingungen, mit den Vorbereitungen des Fluges, mit der eigenen Einstellung auseinanderzusetzen!
Wer meint, mit einer niedrigen Gütesiegel-Einstufung sei er vor Unfällen gefeit, hat schon einen schweren Irrtum begangen: ?Auch DHV 1 bewahrt euch nicht vor einem Klapper", sagte Steve und riet den Anwesenden eindringlich, sich immer wieder mit der gesamten Bandbreite der unzähligen sicherheitsrelevanten Details zu befassen. Wer beispielsweise zum nächsten Berg fliegt, sollte sich bereits beim Abflug Gedanken darüber machen, wo er ankommen wird, ob ihn vielleicht ein Leebereich mit starken Turbulenzen erwartet, und ob er glaubt, dass er damit zurecht kommen wird. Anstatt sich blind auf den Wetterbericht zu verlassen, sollte man seine eigene Urteilskraft schulen, indem man die Vögel, den Himmel, die Wolken beobachtet. Steves zentrale Botschaft lautete: "Macht euch Gedanken, befasst euch mit der Materie!"
Für seine Entwicklung vom blutigen Anfänger zum erfolgreichen Wettkampfpiloten stand ihm übrigens nicht mehr Zeit zur Verfügung wie den meisten von uns: Als hauptberuflicher Elektroingenieur blieben und bleiben dem Weltmeister für's Fliegen einzig und allein die Wochenenden sowie der Jahresurlaub, den wir alle in unseren Jobs haben!
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